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Neurogene Blasenentleerungsstörung: Symptome, Diagnose, Therapie

Neurogene Blasenentleerungsstörung: Symptome, Diagnose, Therapie

Die normale Blasenfunktion kann durch Erkrankungen des Nervensystems gestört werden. Solche neurogenen Blasenentleerungsstörungen können sich in vielfältiger Form zeigen und bedürfen einer sehr individuellen Diagnose und Therapie. Alles rund um die Erkrankung und die Behandlungsmöglichkeiten in der urologischen Praxis.

Studienlage

Funktionsstörungen der Blase können eine Folge von neurologischen Erkrankungen bzw. Schädigungen sein. Ist dies der Fall, so spricht man von neurogenen Blasenstörungen bzw. Blasenentleerungsstörungen oder auch von einer “neurogenen Blase”. Diese entsprechenden neurologischen Erkrankungen können mannigfaltig sein und an unterschiedlichsten Stellen auftreten, ebenso vielfältig können sich die Symptome äußern. Ist die Blase beteiligt, so hat der Ort der neurologischen Schädigung häufig großen Einfluss auf das Muster der Blasenfunktionsstörung (Panicker 2020). 

Welche Arten von Blasenentleerungsstörungen (Neurogene Blase) gibt es?

Die Harnblasenfunktion ist von zwei Phasen gekennzeichnet: die Füll- bzw. Speicherphase und die Entleerungs- bzw. Miktionsphase. Diese Phasen wechseln einander im Normalfall ab und die Blase wird regelmäßig beinah vollständig (weniger als 50 Milliliter verbleibender Harn gilt als “restharnfrei”) entleert (AWMF 2020). Harndrang macht sich im Normalfall während der Füllphase bemerkbar, ab einer Blasenfüllung von etwa 150 Milliliter, und dann wieder oder verstärkt kurz bevor das maximale Blasenvolumen erreicht ist. Damit die Entleerung stattfinden kann, passieren drei Vorgänge: Der Blasenhals (innerer Sphinkter) öffnet sich, der Muskel, der die Harnröhre verschließt (M. sphincter urethrae externus), entspannt, und die Blasenmuskulatur (Detrusor) kontrahiert und scheidet so den Urin aus der Blase aus (AWMF 2020). Dieser Ablauf kann aufgrund neurologischer Schädigungen gestört sein.

Diese Störungen lassen sich in folgende Arten gliedern: 

  1. Detrusorüberaktivität: Die Blasenmuskulatur kontrahiert unfreiwillig/zu häufig.
  2. Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie (DSD): Es fehlt die korrekte Koordination von Blasenmuskulatur und äußerem Harnröhren-Schließmuskels (Sphinkter). 
  3. Hypokontraktiler Detrusor: Die Kontraktionsfähigkeit der Blasenmuskulatur ist reduziert.
  4. Hypoaktiver Sphinkter: Der Harnröhren-Schließmuskel funktioniert nicht ausreichend.

Was ist die Ursache?

Die Ursachen für eine neurologische Blasenentleerungsstörung bzw. neurogene Blase sind in der Regel Schädigungen des Nervensystems bzw. bestimmte Erkrankungen, die das Nervensystem betreffen. Dazu zählen etwa: Verletzungen des Rückenmarks, Schädigungen von Nerven nach operativen Eingriffen oder als Folge einer Erkrankung (z. B. Diabetes mellitus), Schlaganfall, Parkinson-Syndrom, Demenz, Multiple Sklerose, Spaltung der Wirbelsäule (Spina Bifida) und amyotrophische Lateralsklerose (kurz: “ALS”; dabei kommt es aufgrund geschädigter Nervenzellen zu Muskelschwund oder -schwächung). 

Neben der Blasenfunktion können auch andere Becken-Organe betroffen sein und so kann es neben Blasenfunktionsstörungen auch zu Darmentleerungsstörungen und sexuellen Funktionsstörungen kommen (Panicker 2020). Oftmals handelt es sich also um kein isoliertes Erkrankungsbild sondern um eines, das ganzheitlicher gesehen und behandelt werden muss. 

Blasenentleerungsstörung bei Parkinson-Syndrom

Die neurogene Blasenentleerungsstörung tritt bei bestimmten, das Nervensystem betreffenden Erkrankungen besonders häufig auf. Beim Parkinson-Syndrom sind Blasenstörungen die häufigsten nicht-motorischen Symptome, die berichtet werden (Martinez-Martin 2007). Sie tragen dazu bei, dass es (z. B. beim überhasteten Gang zur Toilette) häufiger zu Stürzen und entsprechenden Verletzungen kommt (Balash 2005). Eine der häufigsten Blasenentleerungsstörungen ist die Nykturie - das mehrmalige Wasserlassen in der Nacht. Diese tritt bei Parkinson-Patient:innen gehäuft aufgrund von gestörter Blasenspeicherung auf (Smith 2015).  

Symptome und Diagnose der neurogenen Blasenentleerungsstörung

Ein Hauptsymptom einer neurologischen Blasenentleerungsstörung ist eine Harninkontinenz, also ein unfreiwilliger Urinverlust. Bei Männern treten auch häufig Erektionsstörungen auf. Je nach genauer Art der Störung (s. Absatz o.), zeigen sich unterschiedliche Symptome: z. B. häufiger bzw. starker (und auch nächtlicher) Harndrang (bei Detrusorüberaktivität), häufige Unterbrechungen des Harnstrahls (bei Detrusor-Sphinkter-Dyssenergie), schwacher Harnstrahl und wiederkehrende Harnwegsinfektionen (bei hypokontraktilem Detrusor), Urinverlust bei Belastung oder Druckanstieg (bei hypoaktivem Sphinkter) (AWMF 2020).

Die Diagnose der neurogenen Blasenentleerungsstörung basiert im ersten Schritt auf einer ausführlichen ärztlichen Anamnese, in der Regel in der urologischen Praxis. Neurologische und urologische bzw. gynäkologische Untersuchungen folgen. Auch ein Blasentagebuch, bei dem über einige Tage Buch über das Blasenentleerungsverhalten geführt wird, gibt wichtige Hinweise. Zusätzlich wird häufig eine Harnuntersuchung (Mittelstrahl- oder Katheterurin), eine Restharnmessung (mittels Ultraschall oder Einmalkatheter) und eine Uroflowmetrie (Messung des Harnstrahls) empfohlen. Eine Blasendruckmessung (Urodynamik mit/ohne Video), ein Nieren-Ultraschall und eine Urethrozystokopie geben weitere Hinweise (Panicker 2020, AWMF 2020).

Behandlung einer Blasenentleerungsstörung

Je nach vorliegender Art der Blasenentleerungsstörung und der individuellen Symptomatik, kommen verschiedene Behandlungsansätze zum Einsatz. Da die neurogene Blasenentleerungsstörung meist kein isoliertes Erkrankungsbild darstellt, ist ein individuelles Zuschneiden der Therapie auf die individuellen Bedürfnisse der Patient:innen notwendig. Hier lesen Sie mehr:

- Behandlungsmöglichkeiten bei einer Blasenentleerungsstörung

- Welche Medikamente bei einer Blasenentleerungsstörung?

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